Japanische Whiskywunder: Vor- und Nachteile

Yamazaki, Yoichi, Karuizawa, Hakushu, Miyagikyo, Hibiki – diese Namen erinnern inzwischen nicht mehr nur an Motorräder oder Küchengeräte – zu Recht haben sich japanische Single Malts und Blends einen Namen in der Whiskywelt gemacht und der schottischen Konkurrenz sogar Preise weggeschnappt.

Erfolg der Japaner: kein Zufall!

Der Erfolg ist jahrelanger akribischer Arbeit und einem innovativen Fassmanagement geschuldet. Schon lange kopiert man im Land der aufgehenden Sonne nicht mehr, man stellt dort inzwischen ganz eigenständige Whiskys her. Dies kann man an fast allen Produkten, angefangen bei den Blends, aber deutlicher bei den Single Malts, wie beispielsweise dem Hakushu 12 y.o. oder dem Yamazaki 18y.o. erschmecken.

Wenn man das Glück und die Kontakte hat, japanische Einzelfasswhiskys zu probieren, wird man sich des enormen Potenzials dieser Elixiere bewusst. Unglaublich verdichtet treten sie an, echte Geschmacksbomben von oft tiefdunkler Farbe, strotzend vor Kraft und Fassstärke. Damit gewinnen diese Malts so manche Verkostung, weil sie einen derart bleibenden Eindruck an Intensität hinterlassen, der sich durchaus mit dem asiatisch-würziger Gerichte vergleichen lässt.

Zweischneidige Sache

Leider ist dieser Charakterzug der körperreichen Sushi-Drams auch nachteilig zu bewerten: nach einem solchen „Maul voll Whisky“, wie manche Japaner es sind (insbesondere Einzelfassabfüllungen, jedoch gibt es auch zahlreiche Ausnahmen), verlangt man selten einen zweiten Schluck, man fühlt sich gesättigt, die Attacke auf die Geschmacksnerven war doch zu üppig. Somit sind diese Produkte keine geselligen und trinkigen Tropfen trotz ihrer enormen Wucht und Komplexität, sie sind eher zum gelegentlichen bestaunenden Erforschen als zum täglichen Genuss geeignet. Aber wegen dieser Intensität liegen sie oft in (Schnell-)Verkostungen vorne.

Doch deshalb sind japanische Whiskys keineswegs zu verteufeln – im Gegenteil: Sie stellen eine echte Bereicherung dar, schon alleine wegen ihrer geschmacklichen Eigenheiten, die einem global gleichwerdenden Geschmack, wie er beim Wein vorherrscht, vehement entgegentritt. Bisweilen bekommt man den Einfluss der japanischen Eiche zu schmecken, der sich deutlich von den Reifungsaromen europäischer und amerikanischer Fässer unterscheidet. Ebenso gibt es torfige Versionen, die so manchen Islay-Vertreter mild wirken lassen, trockene Sherrymonster mit Pflaumen-, Kirsch- und Sojasaucennoten oder auch klar strukturierte Malts mit einem Hauch Gurke und der Frische der japanischen Alpen. Ich ergänze meine Beschreibungen augenzwinkernd mit Bill Murrays Worten zu Suntory Whiskys aus dem Film Lost in Translation: „…but the good news is: the Whisky works!”

Mein Tipp

Leisten Sie sich einmal (wieder) einen japanischen Whisky höherer Qualität, ihre Freunde und Sie werden diese ungewöhnliche und gute Erfahrung nicht missen wollen. Erleben Sie dadurch die große Vielfalt der internationalen Whiskywelt. Der Stil des jeweiligen Einzelfass-Whiskys ist meist auf dem Etikett vermerkt und an der Farbe ersichtlich. Achten Sie nur darauf, den Whisky am Ende der Verkostung oder vor einer Pause zu positionieren – dann kommen auch die anderen Whiskys leichterer Art ausreichend zur Geltung.

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