Ardbeg OB ‚Grooves‘ 46%

ZumArdbeg Grooves closeup Ardbeg Day am 2. Juni bringt die Kultbrennerei wieder eine witzige Sonderabfüllung auf den Markt, die zuvor als fassstarkes Committee-Bottling wenigen Glücklichen vorgestellt worden war, der Grooves. Dieser im Sinne eines englischen Wortspiels an die 1960s angelehnte Ardbeg verdankt seinen Namen eigentlich den Rillen (engl. ‚grooves‘), die bei den verwendeten Eichenfässern das Flächenauflageverhältnis Holz-Destillat, und damit den Reifungseffekt, vergrößern sollen. Dies geschah bei der Jack Daniel’s Sinatra Edition auch schon, die für diesen Ardbeg verwendeten Fässer sollen aber stark getoastete Rotweinfässer gewesen sein. Abgefahrenes Rezept aus Hippiehirnen 🙂 (verzeih mir, Dr. Bill) – hier ist ein ‚cask-driven‘ Whisky zu erwarten, der vom normalen Ardbeg ein wenig abweichen wird.

Tasting Note:Ardbeg Grooves top flower In der Nase ist dieser Dram zuerst deutlich als Ardbeg zu erkennen (Torf, Jod, Trafobrand, Barbecuesauße, Lagerfeuer, Speck, Reifen, Sattelfett etc., vgl. viele der auf unserer Seite verkosteten Ardbeg-Abfüllungen), doch es gibt Abweichungen, die sich mit der Zeit verdeutlichen: Der Grooves liegt eher auf der holzigen Schreinerwerkstattseite und wirkt süßlich, die Toastung addiert Rußaromen. Nach ein wenig Zeit im Glas geht er ab wie Jimi Hendrix in Woodstock, man nimmt erhitzte Gewürze wahr (edelsüßer Paprika, Zimt, Pfeffer), bittere Kräuter, Pinienrauch harzigen Charakters, rote Äpfel, rote Johannisbeere und Leder steigen auf. Mit der Zeit wird er immer ungewöhnlicher und wie ein ‚crafted spirit‘ moderner Art, man kann sogar Granatapfelkerne, bitteren Apertif (Martini), Wermut, Orangenlikör und Pampelmusenschale erriechen. 

Der Geschmack, der bei Ardbeg meist ins Süße mit Schokolade und Espressonoten sowie Jod geht, ist hier leicht, bitterkrautig-likörig und weich („mellow“) ausgeprägt – fast wie ein torfiger Aperol Spritz mit Bitterorange in manchen Momenten, dabei stets trockener werdend. Auch englische Marmelade, lauter werdendes Eichenholz und die typischen Ardbegnoten finden sich im Hintergrund, der rußige Rauch bleibt bis zum Ende.

Fazit:Ardbeg Grooves Very groovy, das muss man diesem mutigen Experiment lassen. Für Ardbeg-Puristen ist er vielleicht nicht geeignet, aber wer einmal ein anderes Gesicht dieser Brennerei kennenlernen will, ist hier genau richtig. The Sixties were experimental times, right? Open your mind, klebt die Prilblumen-Aufkleber und füllt das Glas mit diesem leicht rötlich-braunen Islay-Blumenkind, das für mich der Ardbeg Spritz für den lauen Sommerabend in der Kommune ist. Ein Fun-Dram, der auch gut in die Jahreszeit passt!

Happy Ardbeg Day und danke Tobias für das Sample.

Score: 86+

Kommentare sind deaktiviert.