Ginis, Maoam and Stolen Stones – Erfahrungen unseres Gin Panels

Gin ist in, als Trend in aller Munde: ein noch nicht hinreichend definiertes Lifestyle-Produkt, teils aber auch mit langer Tradition, das gerne

Ein buntes Panel trat an

Ein buntes Panel trat an

(aber nicht immer) mit einer vogelwilden Marketing-Geschichte vertrieben wird… und eine Spirituose, an der viele Brenner nicht mehr vorbeikommen. So vielfältig wie die Stories der Vermarkter sind auch die Gins. Von tief, gelungen und geheimnisvoll komplex bis hin zu flach und seltsam reicht die Tragweite, trocken bis süß, so wie die Aufmachungen der Flaschen. Genossen als purer ’sipping Gin‘ oder als Tonic-Partner, im Cocktail, etc. (wo sie völlig unterschiedlich abschneiden), das Feld ist weit. London Dry, Bavarian Dry, compound, distilled, aged, mit zahllosen Botanicals (auch hier ist sehr viel Spielraum, die Ansetzung, biologischer Anbau, die Anzahl, …), der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, doch gerade das macht Gin interessant, aber auch schwer vergleichbar in seiner weiten Kategorie. Wie beim Würzen in der Küche ist Vieles Geschmacksache, solange das Grundprodukt stimmt – das aus diversen Getreiden oder Kartoffeln bestehen kann. Also wie vergleichen? Wir entschieden uns für einheimische distilled Gins ohne Fassreife.

Ein paar Gins der Verkostung

Ein paar Gins der Verkostung

Wir – das war ein Panel aus drei Brennern (Stefan Penninger, Gregor Schraml und Johannes Anleitner), zwei Bloggern/Verkostern (Initiator Philip Reim und meine Wenigkeit), Barleuten, Händlern und Endverbrauchern. Da wir alle aus verschiedenen Blickwinkeln auf das Produkt schauen, war die Diskussion im Vorfeld höchst anregend und auf hohem Niveau. Das Feld wurde hinreichend geklärt und für Wohlgefühl sorgte unser Gastgeber Goose in der Wunderbar (Regensburg).

Die Gins wurden pur und in Ruhe verkostet und gelegentlich auch als Tonic oder Cocktail ausprobiert. Unglaublich waren die Unterscheide in dieser schon von uns auf einheimische distilled Gins eingegrenzte Kategorie. Auch die Geschichten um die Marken reichten von sympathisch nüchtern über historisch interessant (Schramls ‚Kaiser Hill 16‘ und Penningers ‚Granit Gin‘ und die Info vom ständigen Diebstahl des beigefügten Granit-Kühlsteins in Märkten) bis hin zu völligem Marketing-Bullshit (I Dream of Gini), der nur nach einer oder zwei Flaschen Genuss des eigenen Produktes entstanden sein konnte.

Gin Botanicals

„Botanicals“ für Gin

Im Geschmack taten sich ebenfalls große Unterschiede auf- So schmeckte ein Gin so künstlich nach destilliertem Maoam und Gummibaum, ein anderer gab sogar Räucherfisch-Aromen von sich, wieder ein anderer zeigte klare Obstlernoten – doch das waren eher negative Ausreißer. Der Großteil bestand aus anständigen und gelungenen, ja auch originellen Produkten, die ihren berechtigten Platz im Markt haben. Mehr dazu, v.a. zu Schraml und Penninger folgt in einem eigenen Artikel. Denn diese beiden Brenner aus Ostbayern, bei denen die Ginproduktion bzw. zumindest die Benutzung von Botanicals seit ewigen Zeiten Tradition hat und nicht nur ein Aufspringen auf den Ginzug darstellt, fielen uns neben dem Horsetown Gin positiv auf – vielleicht auch, weil die Produzenten vor ort waren. Doch diese Regionalität, und Abgeklärtheit spiegelte sich in den Produkten, und während der Verkostung hielt uns nichts von neutraler Betrachtung ab. Interessanterweise waren wir uns größtenteils einig.

Meine persönliche Reihenfolge möchte ich Euch nicht vorenthalten (bei ein paar Gins nenne ich Auszüge meiner Tasting Notes, die ich alle irgendwann in Gänze poste):

1. Horsetown Gin (Achtung: Batches variieren wegen Wechsel in Inhaltsstoffen und Produktionsarten) – toller Gin mit einem Hauch Beeren (Preiselbeeren), wenig Wacholder, dafür Zwetschgen, Marille, Orangenschale, Kamille, Fruchtbonbon, Majoran, fett und und ungefiltet, breit in Basis, weniger Kopfnoten, eigen. 84 Punkte.

und

1. Windspiel Gin – trotz einer etwas eigenwilligen Marketinggeschichte ist dies ein richtig toller Gin, ein kräftiger Macho mit 47%, was nicht jeder mochte. Schöne Nase mit Wacholder, schwarzem Pfeffer, Zitrone, Tajine-Gerichte (Gewürzvielfalt) etc., der alkoholisch-säurelastige Antritt liefert kräftig ab, und auch Schokoladennoten sind nun dabei. 84 Punkte.

3. Granit Gin (Penninger) – mild und doch aromatisch, klassisch angelegt, ein Hauch Gurke, Wurzeln, florale Töne, Zitronenabrieb, bunter Pfeffer, Gerbleder und Muskatnuss. Rundum angenehm. 83 Punkte, ebenso feel! Gin und The Duke Gin.

6. Kaiser Hill 16 (Schraml – sehr klassisch und einfach gut) und Ferdinand’s Gin (Saar, traubig-weiblich, angenehm anders) 81 Punkte.

8. Monkey 47 Gin80 Punkte.

9. Bavarka Gin (mild, eigen, hopfig-harzig, Fichtenspitzen, Steckerlfisch, Zitrone, bayerisches Volksfest) und Simon Gin (untypisch, eher Obstler, aber doch gut)

10. Gin Sul (es fehlt zwar an Tiefe, doch er hat was: mild, weiblich, Orange und Bergamote, Sandelholz, Rosmarin, Vanille, etwas Zucker; er erinnert in Momenten an das Parfum ‚Fahrenheit‘ von Dior – noch solide)

11. Lyonel Gin, Secret Treasures (letzterer außer Konkurrenz, beide akzeptabel)

12. Elephant Gin (etwas alkoholisch und undefiniert, es fehlt an Balance, sehr floral-parfümiert, Säure weißer Pfeffer, Zitrone – mit leichten Schwächen noch akzeptabel)

13. I Dream of Gini pur sehr seltsam und abgeschlagen, aber witzig als Tonic

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